Liebe Leserin, lieber Leser, es gibt für jeden Tag und jeden Monat und jedes Jahr Losungen, sie werden tatsächlich gelost, so ähnlich wie die Lottozahlen. Sie sind aus dem Zusammenhang gerissen und bei manchen fragt man sich, was sie einem sagen wollen.
Für den letzten Monat, September, gab es folgenden Monatsspruch: „Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.“ Kohelet (Prediger Salomo) 4,6. Dieser Satz hat mich sofort angesprungen.
Eine Hand voll mit Ruhe: Das ist das, was ich mir für uns und unsere Zeit wünsche. Abkehr von der Schnelllebigkeit und Gehetztheit, jetzt zackzack eine Entscheidung treffen müssen und immer weiter, höher, schneller, besser.
Und auch weg von allen massenhaften Infos, die permanent auf uns einstürmen. Über die sozialen Medien, über Nachrichtensendungen oder Zeitungen. Die meist knapp und kurz gehalten sind, schnell verdaulich, wo keine Zeit bleibt, darüber nachzudenken oder irgendetwas nachzuspüren.
Ich weiß nicht, ob es mich beruhigen soll, dass Menschen schon vor rund 1700 Jahren ähnliche Erfahrungen und Nöte hatten, wie der Prediger Salomo es festgehalten hat, oder ob es mich schockieren soll, hat sich nix geändert unter der Sonne.
Mir fällt das Psalmwort (90,4) ein: „Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache.“
Gott denkt in anderen Dimensionen als wir. Das mag uns beruhigen oder frustrieren. Die Zeichen der Zeit zu beobachten, so wie es der Prediger Salomo damals tat, der sich Kohelet nannte (Versammlungsleiter), das ist auch uns aufgetragen, die Zeichen der Zeit zu beobachten. Und dabei wissen, dass es über dem, was wir erleben und was uns mitunter voll in Anspruch nimmt, noch etwas anderes gibt, eine ewige und andere Welt, ein Gott, der am Ende das letzte Wort hat. Das kann uns dann helfen.
Wir brauchen eine Hand voll Ruhe, um zu bedenken und darauf zu hören, was uns von Gott zukommt. Was wir denn wirklich brauchen für uns und unser Leben, für unsere Gemeinschaften. Wie wir heute und in Zukunft unseren Glauben leben können. Und was wir brauchen, um als Christen in dieser Welt leben zu können.
Mir macht es Mut, dass alle biblische 4 Zeugen den Blick über den Alltag und die vermeintliche Realität hinauswagen. Es gibt noch mehr als das, was wir jetzt sehen und verstehen.
Gottes Weg bedeutet nicht: weiter so! Sondern: wagt getrost den Aufbruch ins Unbekannte, ich bin mit euch.
Diesen Blick in die neue Welt Gottes, die versprochen ist, dürfen wir nicht vergessen, das sollen wir immer im Blick behalten bei all dem, was uns den Alltag und die Hoffnung verdunkelt.
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01.10.2026
Kategorie: Angedacht